Bekanntes Renngeschehen ohne konsequenten Fortschritt
Frank Gerlach, 15.11.2011
Nachdem sich Codemasters ab 2009 die Formel 1-Lizenzen sicherte, warteten viele Fans sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von F1 2009. Mit einem Jahr Verspätung ging dann F1 2010 an den Start, das zwar durchaus überzeugen konnte, doch durch einige Bugs, die mitunter auch den Spielstand zerstörten, unausgegoren schien und so der Spielspaß auf Dauer getrübt wurde. Mit F1 2011 sollten diese Fehler ausgemerzt werden. Ob das gelungen ist, lest ihr in unserem Testbericht.Wer F1 2010 sein Eigen nennt, der wird beim Starten von F1 2011 keine Überraschungen erleben. Bis auf kleine Veränderungen ist die Menüstruktur identisch mit dem Vorgänger. Der Spieler kann hier aus den bekannten Spielmodi Karriere, Grand Prix, Multiplayer und Zeitfahren wählen. Neu dazu gekommen ist die Zeitfahr-Attacke. Dabei kann man Medaillen gewinnen, wenn die vorgegebene Rundenzeit geknackt wurde. Sie dient aber vor allem zum Vergleich seiner Zeit mit anderen Spielern unter gleichen Voraussetzungen.
Mangelhaftes Setup
Glücklicherweise braucht man sich aber trotzdem nicht lang mit der Setuparbeit aufhalten, denn setzt man die Werte für die Federhärte auf das Maximum, fährt der Bolide wie auf Schienen, was jegliche andere Einstellungen nahezu überflüssig macht. Somit lassen sich auch Zeiten fahren, welche Vettel in der Realität nicht mal erreichen würde, hätte er die komplette Runde KERS zur Verfügung.
Neues Jahr - neue Regeln
Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Thema. Mit der neuen Saison hat auch das Kinetische Energie Rückgewinnungs-System (KERS) wieder Einzug in die Königsklasse gehalten. Außerdem erhofften sich die Verantwortlichen mit dem Drag Reduction System (DRS) mehr Überholmanöver. Diese Neuerungen galt es nun auch in F1 2011 umzusetzen. Die Integration ins Spiel ist sehr gut gelungen. So verliert man leicht das Auto, wenn man den Heckflügel im Training zu zeitig öffnet. Und mit der Extra-Power von KERS kann man noch explosiver aus engen Kurven raus beschleunigen.
Um diese Möglichkeiten zu nutzen ist natürlich jeweils eine Taste zu betätigen. Ist es zunächst ungewohnt, so hat man sich doch schnell daran gewöhnt und das Drücken des KERS-Knopfes geht in Fleisch und Blut über. DRS benötigt man im Rennen ohnehin nur in der entsprechenden Zone - und auch dann nur, wenn man weniger als eine Sekunde hinter dem Vordermann ist.
Starke Gegner mit geringer Aggressivität
Somit sind wir auch beim Kernstück eines jeden Rennspiels gelandet - dem Rennen. Hat man nicht die Traktionskontrolle aktiviert gilt es, einen sensiblen Gasfuß zu beweisen. Schien es beim Vorgänger noch nahezu unmöglich, einen optimalen Start zu erwischen, so kann man nun gut mit dem Feld mitziehen, wenn man die Drehzahl gut erwischt. Und mit dem Einsatz von KERS lässt sich auch noch der ein oder andere Platz gut machen. In den weiteren Kurven, bis sich das Feld sortiert hat, lassen sich leicht weitere Positionen gewinnen, da die Gegner hier doch sehr defensiv fahren.
Des Weiteren ist das Fahrverhalten überzeugend. Das merkt man z.B. an dem schon angesprochen Ausbrechen des Hecks beim Öffnen des Heckflügels oder zu forschem Gas geben. Und leicht kann es passieren, dass die Räder blockieren, bremst man etwas zu spät an. Bei einsetzendem Regen merkt man, wie die nasser werdende Strecke kontinuierlich längere Bremswege fordert, sodass man bei wechselhaften Bedingungen jede Runde andere Bedingungen vorfindet, die dem Spieler alles abverlangen. Der Grenzbereich ist sehr klein. So kann man zackig um die Kurven fahren - jedoch nur etwas zu schnell, schon landet man im Kiesbett oder der Leitplanke - ganz wie in der Realität.
Alles auf Anfang
Sollte das passieren, stehen einem wie gewohnt bis zu 4 Rückblenden zur Verfügung um zurückzuspulen und den Fehler ungeschehen zu machen. Wer jedoch den vollen Nervenkitzel will, es werden also keine Fehler verziehen, kann die Rückspulfunktion auch vollständig deaktivieren. Aber auch anderweitig spektakuläre Szenen lassen sich mit der Sofortwiederholung direkt wiedergeben. Eine Speicherfunktion dafür gibt es nicht, also ist dafür ein separates Aufnahmeprogramm vonnöten. Es besteht auch die Möglichkeit sich das ganze Rennen noch einmal anzuschauen. Hierbei ist negativ zu bemerken, dass es nicht möglich ist, direkt zu einem Punkt zu springen, sodass man das ganze Rennen durchspulen muss, um eine Szene am Ende anzuschauen, was besonders nervig ist, wenn man sich für die komplette Renndistanz entschieden hat.
Voll überzeugen kann hingegen - wie wir das von Codemasters gewohnt sind - die Grafik. Diese ist sehr realitätsnah und absolut auf der Höhe der Zeit. Die Fahrzeugmodelle sind sehr detailliert und auch die Strecken geizen nicht mit Feinheiten. So sind alle real existierenden Objekte in direkter Umgebung der Strecke vorhanden, auch wenn man während der Fahrt gar nicht die Zeit findet, diese zu begutachten. Dazu gesellen sich die Wettereffekte, die ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt werden. Sei es gleißender Sonnenschein oder das Fahren mitten in die Gischt der Vorausfahrenden und dem damit verbundenen Blindflug. Codemasters ist es wieder gelungen, diese Effekte sehr ressourcensparend einzusetzen, sodass selbst auf schwächeren Rechnern das Spiel mit akzeptabler Grafik flüssig läuft.
Einzelkämpfer sind gefragt
Bei der Jagd nach Tausendstel Sekunden ist man leider auf sich allein gestellt, da es nach wie vor keine Telemetriedaten gibt. Einzig die nackten Sektorzeiten kann man sehen, welche aber im Nachhinein nur von der jeweils letzten Runde angezeigt werden. Das Team unterstützt einen diesbezüglich auch nicht. So muss man auch selbst versuchen, die bestmöglichen Punkte für den Einsatz von KERS zu finden - jeder professionelle Formel 1-Fahrer erhält mehr Unterstützung. Den Laien am PC lässt man im Regen stehen.
Welche Informationen man sehen will, kann man natürlich in den Optionen bestimmen. Die Optionen für die Spielsteuerung kann man selbstverständlich auch individuell anpassen, nur besteht das Problem, dass bei jedem neuen Spielstart die Steuerung auf Tastatur zurückgesetzt wird. Dies kann man umgehen, indem man beim Startbildschirm statt der Enter-Taste die entsprechende Taste am betreffenden Steuergerät wählt, welche man aber auch erst finden muss. Wo wir gerade beim automatischen Zurücksetzen sind, auch Styroporschilder auf der Strecke stellen sich automatisch wieder auf, nachdem man sie umgefahren hat. Das ist zwar angenehm für die Orientierung, aber wieder ein kleiner Minuspunkt in Sachen Realismus.
Mehrspielerspaß in allen Variationen
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Multiplayer. Hier fällt positiv auf, dass es neben dem Online-Modus auch die Möglichkeit gibt, über ein lokales Netzwerk zu spielen oder sich an einem Rechner im Splitscreen-Modus mit Freunden zu messen. Diese Funktionen sterben ja zunehmend aus. Hier kann man wiederum zwischen Zeitfahren und normalem Rennen (in verschiedenen Variationen) wählen. Wie ernsthaft oder sinnvoll diese Rennen sind, hängt natürlich von den jeweiligen Gegnern ab.
Bis aber das Rennen beginnt, kann schon einige Zeit vergehen. So muss man zunächst in der Lobby auf Gegner warten, anschließend befindet man sich in der Box, wo wieder gewartet werden muss, bis alle Spieler soweit sind.


Hier merkt man, dass der/die Tester das Spiel wirklich getestet und lange gespielt haben, im Gegensatz zu manch anderen bei denen man glauben kann, dass sie es nur eine Stunde nur für den Testbericht angespielt haben.
Da ich selbst Besitzer von F1 2011 bin, kann ich in allen Punkten nur zustimmen, doch vielleicht sollte erwähnt werden, dass es in den nächsten Tagen einen Patch geben wird, der einige Bugs (unter anderem den 11/11er, also den Setupbug mit den Federn) beheben soll.
LG
BafTac