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Need for Speed (2015) Test

Need for Speed (2015) im Test: Wieder kein würdiger Nachfolger


Alexander Weißgerber, 28.03.2016
Die Vorzeichen für das neueste Need for Speed stehen eigentlich recht gut. Schließlich hat sich der Entwickler Ghost Games mehr Zeit für die Umsetzung genommen und insbesondere bei der PC Version auf die Wünsche der Spieler reagiert. Somit gibt es rund vier Monate nach der Veröffentlichung auf Xbox One und PlayStation 4 das neue Arcade Rennspiel auch endlich für den PC. Das sich die Wartezeit nur zu geringen Teilen auf die Qualität des Spiels auswirkt soll der folgende Testbericht verdeutlichen.

Ein Fest für die Augen und Ohren - bei Dunkelheit und Regen

n/a Gleich vorweg, wenn ihr ein Problem damit habt ständig bei Nacht unterwegs zu sein, ist Need for Speed (2015) definitiv nichts für euch. Auch ich habe damit so meine Probleme und hätte viel lieber wechselnde Tageszeiten, doch dieser Wunsch bleibt unerfüllt.

Stattdessen liegt der Fokus auf illegalen Rennen bei Nacht und höchsten mal bei nahezu untergegangener oder leicht am Horizont auftauchender Sonnen am Morgen. Zudem scheint es in Ventura Bay ständig zu regnen. Denn auch wenn der Regen nicht immer zu sehen ist, die Straßen sind stets nass und die Laternen, Werbetafeln und natürlich die Scheinwerfer der Autos spiegeln sich in der Umgebung, im nassen Asphalt und in den Pfützen.

Das sieht glücklicherweise hervorragend aus. Es kann schon fast von Fotorealismus gesprochen werden – das tue ich jedoch nicht, denn dieser Begriff wurde bereits in den 90er Jahren derart strapaziert, dass man sich heutzutage fragt, was denn nun wirklich Fotorealismus ist. Neben der schicken Präsentation von Licht und Schatten ist auch die Weitsicht sehr schön geraten, so dass die nächtlich beleuchtete Stadt auch in der Ferne zu einem ausschweifenden Blick einlädt.

So wie auch die Grafik macht der Sound Spaß. Röhrende Motoren, Turbolader, Geräusche abseits der Straße, es macht Spaß die Boxen aufzudrehen. Lediglich bei nicht im Drift durchfahrenen Kurven gibt es ein merkwürdiges Geräusch, dass mehr an einen Getriebeschaden als an Reifen am Haftungslimit erinnert.

Ausgestorben

n/a So schön die Grafik auch ist - die Texturen auf dem PC sind hochauflösend und sechzig Bilder pro Sekunde problemlos erreichbar - und obwohl viele Details die Straßenzüge authentisch aussehen lassen, zu viele Effekte sorgen dafür, dass ich nicht das Gefühl habe, selber auf Erkundung zu gehen. Zum einen habe ich den Eindruck, dass viel zu oft die Schärfe der Kamera manipuliert wird, also der Fokus nicht schnell genug gefunden wird oder gefunden werden soll. Zum anderen ist die Stadt fast ausgestorben. Ist doch mal ein wenig mehr los gibt es immer wieder Autos und Polizeifahrzeuge die aus dem Nichts auftauchen oder in selbiges verschwinden.

Sicher, die immer wieder gezielt eingesetzte Unschärfe und der Wechsel des Fokus sind bewusste Effekte. Das mag der Zielgruppe gefallen, mir jedoch nicht. Vor allem, wenn selbst in den Zwischensequenzen der Eindruck aufkommt, als hätte ich meine Brille vergessen aufzusetzen oder irgendwelche Rauschmittel konsumiert.

Besonders schade ist die bereits angesprochene, unbelebte Stadt. Eine Großstadt wie Ventura Bay sollte auch bei Nacht nicht wirken, als wären nach 21 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt und nur noch illegale Streetracer unterwegs. Nur vereinzelt tauchen fremde Verkehrsteilnehmer auf, so dass NfS auch bestens als Dorf-Racer durchgehen könnte.

Kein Spiel für Autosammler

n/a Genug über die leblose Stadt ohne richtigen Verkehr und Fußgänger gemeckert, auf zum nächsten Punkt. Autos sammeln ist in Need for Speed auch nur sehr eingeschränkt möglich. Der Schwerpunkt liegt auf dem Tuning. Hierbei dürfen aktuell jedoch nur maximal fünf Fahrzeuge in die eigene Garage gestellt werden. Zwar gibt es auf den Konsolen inzwischen einen Patch, der die Garage auf insgesamt zehn Stellplätze erweitert. PC Spieler kommen in diesen Genus bislang noch nicht. Daraus ergibt sich öfter mal ein Problem. Genau dann, wenn für bestimmte Missionen Autos erworben werden müssen, für die kein Platz mehr in der Garage ist. Seien es die Porsche von Nakai-san oder Magnus Walker oder ein Auto mit weniger als 250 PS, weil alle meine Wagen bereits deutlich stärker motorisiert sind. Das heißt, ich muss mich von mindestens einem trennen.

Für mich nicht sonderlich tragisch, mal abgesehen von dem Geld, welches ich für optisches und technisches Tuning aufgewendet habe. Spieler, die stundenlang mit dem Folieneditor experimentiert haben und dann den Wagen verkaufen müssen, der besonders cool aussieht, werden sich hingegen mehr ärgern. Zum Glück kann man das Styling speichern und später wieder anwenden.

Teilweise umfangreich aber zu leicht

n/a Bei einem Blick auf die verfügbaren Autos kommen hingegen auch Zweifel auf, ob EA und Ghost Games wirklich ein Auge auf Sammler geworfen haben. Schließlich ist die Zahl der Fahrzeuge stark eingeschränkt und eine größere Auswahl würde sicher nicht schaden.

Positiv ist dafür die Menge der Rennen. Es gibt viele verschiedene Herausforderungen. Rundenrennen gegen andere Fahrer, Drift-Events zusammen mit anderen Fahrern bei denen ich entweder eine Mindestpunktzahl oder von allen Teilnehmern die höchste Punktzahl erlangen muss, Zeitrennen auf einer Route von A nach B oder in Form von Runden, bei denen ich die schnellste Runde von allen Teilnehmern fahren muss.

Aufgeteilt sind die verschiedenen Events in Kategorien, die von Crews bestimmt werden, welche einem Idol nachfiebern – Magnus Walker, Ken Block, Nakai-san, Morohoshi-san und die Risky Devil Crew. Stück für Stück arbeite ich mich die Karriereleiter als Neuling in der Street-Racing Szene empor und finde damit immer mehr Anerkennung. Das Finale mündet stets in einem Rennen gegen das Idol. Zusätzlich gibt es noch eine Liste mit Rennen bei denen als Endgegner ein gewisser Eddie darauf wartet abserviert zu werden.

Alles schön und gut - sieht man von den zwar technisch hervorragenden, schauspielerisch und Drehbuchseitig jedoch eher vernachlässigbaren Zwischensequenzen ab - ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt zu niedrig angesetzt. Need for Speed Veteranen als auch erfahrene Arcade Racing Spieler, werden nach rund 20 Stunden das komplette Spiel absolviert haben. Das heißt, alle für die Entwicklung der Geschichte notwendigen Rennen bestritten und alle auf der Karte sonst noch verteilten Aufgaben sind erledigt.

Danach bleibt nur noch der Folieneditor, der zu weiteren Kunstwerken einlädt. Rennen wiederholten sich schon zuvor und sind jetzt nur noch Staffage. Es gibt sonst nichts mehr, was dazu einlädt mehr Zeit in Need for Speed zu verbringen. Die Spielwelt ist leblos, die ewige Dunkelheit führt zu Depressionen und der Online-Zwang bringt auch nichts, was es nicht in anderen Rennspielen auch gäbe.

Need for Speed (2015) - Eddies Challenge 15 // Porsche 911 RSR 2.8 // PC Gameplay

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Unfair und merkwürdig

Der gerade angesprochene Schwierigkeitsgrad gewinnt lediglich durch nicht vorhandene Fairnis an Herausforderung. Zeitrennen in denen die schnellste Runde gefahren werden muss, gleichzeitig aber auch andere Fahrer auf der Strecke sind, arten schnell in Frust aus.

Die Gummiband-KI ist einfach unfair. Insbesondere bei den Herausforderungen von Eddie produzieren die Gegner derart unrealistische Rundenzeiten, dass der Spielspaß komplett auf der Strecke bleibt. Egal wie sauber, egal wie schnell, der PC kommt grundsätzlich an die eigene Rundenbestzeit ran und ist stets geneigt, diese zu unterbieten. Das geht sogar so weit, dass selbst Fahrzeuge, die man bereits überrundet hat, Zeiten aufweisen, die nur eine Sekunde langsamer sind als die eigene – insgesamt wurden für die Aufgabe aber nur 5 Runden mit einer Länge von 30 Sekunden gefahren.

n/a Wie kann dann ein Gegner überrundet werden und dennoch eine so schnelle Rundenzeit haben? Natürlich, er kann lediglich zwei Runden gefahren sein, hatte in einer davon einen Unfall und in der anderen die beste Zeit seines Lebens hingelegt. Doch ganz ehrlich, wie realistisch ist das? Vor allem, wenn der PC grundsätzlich nachdem ich eine neue Bestzeit aufgestellt habe, diese sofort unterbietet? Wie gesagt, Fairnis ist nicht gerade eine Stärke von Need for Speed.

Das alles ist unfair, merkwürdig hingegen ist, dass die KI Gegner bei normalen Rennen stets zu langsam unterwegs sind. Zwar kommt auch hier die extrem nervige Gummiband-Thematik zum Tragen, so dass es im Prinzip kaum möglich ist, die Gegnerschar komplett abzuhängen, doch das geht auch anders herum. Bei einem groben Fahrfehler wartet das Fahrerfeld auf mich. Vielleicht mag das echten Einsteigern gefallen, eine faire Herausforderung sieht jedoch anders aus.

Ebenfalls total merkwürdig ist die Logik, die hinter dem Navigationssystem steckt. Da werde ich über Bahnschienen und auf die falsche Fahrbahn gelotst, so dass ich ständig zum Falschfahrer werde. Das alles sorgt vermutlich auch dafür, dass die Navigationspfeile für eine Kursbeschreibung in Rennen Schlangenlinien auf der Straße zeichnen und mehr verwirren, als eine klare Ansage zum Streckenverlauf zu geben.

Drift und Race

Positiv hervorzuheben ist das spürbar unterschiedliche Fahrverhalten je nach Abstimmung des Autos. Hierbei können zahlreiche Parameter variiert werden, wobei das niemals in die Richtung geht, die eine Rennsimulation einschlägt. Dennoch wirken sich die Settings spürbar auf das Fahrmodell aus. Es ist also wirklich möglich, ein Auto entweder komplett für Driftrennen auszulegen oder für perfekte Kurvenlage.

Letzteres ist zwar nie möglich, insbesondere weil das Geschwindigkeitsgefühl nicht die gefahrene Geschwindigkeit vermitteln kann und somit die Kurvengeschwindigkeit stets falsch eingeschätzt wird. Gerade für Driftrennen ist eine passende Abstimmung Gold wert. Mit dem richtigen Fahrmodell lassen sich somit Punkte einsammeln, dass es in der Kasse nur so klingelt.

Hierbei ist auch wirklich positiv, dass gerade bei Drift-Rennen zusammen mit anderen Fahrern der Wertungszähler nicht blockiert wird, wenn Kollisionen mit anderen Fahrzeugen stattfinden. Lediglich Berührungen mit der Streckenbegrenzung lassen einen Drift ungültig werden.

Eine Simulation wird Need for Speed natürlich nie. Auch ist das Fahrverhalten zunächst stark gewöhnungsbedürftig. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase lassen sich dennoch schnelle Rennen und hervorragende Drifts hinlegen und es kann sogar Spaß machen, die Rennen zu gewinnen.

Generation Smartphone

Dem ganzen Spiel merkt man an, für welche Zielgruppe es gestaltet wurde. Immer und überall geht es um ständige Erreichbarkeit, Selbstpräsentation und Coolness. Gerade zu Beginn des Spiels nervt das virtuelle Smartphone jedoch sehr. Gefühlt alle 20 Sekunden klingelt es und einer der neuen Freunde hat etwas zu vermelden.

Neue Rennen, neue Aufgaben, neue Leute kennenlernen. Dazu die pseudo-Twitter Nachrichten in den Ladepausen beim Teleportieren auf der Karte oder dem Verlassen der Garage. Einfach alles schreit nach Social Media und allem was dazu gehört. Wem es gefällt, ok. Jeder andere wird nur mit dem Kopf schütteln.

Doch trotz dieser ganzen multimedialen Möglichkeiten haben die Entwickler offenbar das Auge für das hilfreiche und wichtige verloren. Auf der Karte von Ventura Bay werden zwar alle möglichen interessanten Punkte, Rennen und Missionen markiert. Ich sehe aber nicht richtig, was ich bereits absolviert habe. Einmal gefahrene, aber womöglich nicht gewonnene Rennen bekommen ein Häkchen, müssen jedoch zum vollständigen Abschluss gewonnen werden – das sieht man nicht.

Auch die zur Erkundung in der Spielwelt verteilten Orte, seien es Plätze um Donuts zu machen, Aussichtspunkte für Fotos oder Pickups mit kostenlosen Fahrzeugteilen sind zwar markiert. Es ist jedoch nicht ersichtlich, ob man einen einzelnen Ort bereits besucht und abgeschlossen hat oder nicht.

Dumme Polizei

Genauso wie die korrekte Markierung von Aufgaben vergessen wurden, blieb auch das Hirn der Polizei auf der Strecke. Dümmer und einfacher als im aktuellen Need for Speed hat selten eine Polizei in Rennspielen agiert.

Eine lange anhaltende Verfolgung ist nahezu unmöglich. Viel zu schnell hänge ich selbst mit einem nicht sonderlich leistungsstarken Fahrzeug die Polizei ab. Dabei nimmt auch die Zahl der Verfolger nicht zu. Selbst auf dem höchsten Fahndungslevel verhalten sich die Polizeifahrzeuge strohdumm und sind nicht in der Lage mich zu stoppen.

Individualisierung im Fokus

n/a Der Kern von Need for Speed ist eindeutig Tuning und der Folien-Editor. Fahrzeuge bis ins undenkbarste Tunen, mit Spoilern, Schwellern, Felgen und Motorhauben, genau das ist es, was im Mittelpunkt steht. Schön ist hierbei, dass gewisse Anpassungen des Fahrverhaltens an spezielle technische als auch optische Tuningteile gebunden sind.

Ohne voll einstellbares Fahrwerk lässt sich eben auch kein perfekter Rennwagen bauen. Genauso bringt man den nötigen Anpressdruck in der Kurve nur mit passendem Spoiler zustande. Und wenn es um die richtige Motorleistung geht, dann kommen Krümmer, komplett neuer Motorblock, Kompressor oder Turbo und optimierte Zündung zum Einsatz. Tuning-Freunde können sich ausleben.

Bei den Felgen dürfte zwar eine etwas größere Auswahl existieren und auch gibt es hier nicht durchweg lizenzierte Produkte, damit kann ich aber leben.

Wer es mit seinen Wagen im Bereich der Individualisierung auf die Spitze treiben möchte, der kann sich im Folien-Editor austoben. Vorausgewählte Motive laden genauso zur Gestaltung ein wie die Möglichkeit anhand eigener Farben und Formen dem Auto ein komplett neues Aussehen zu geben.
 

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