Viel Getöse, Action und Arcade ohne ein echtes Ridge Racer zu sein
Alexander Weißgerber, 06.04.2012
Die Ziegelsteine fliegen mir um die Ohren, das Tor im Fabrikgebäude vor mir leuchtet auf, ein Fadenkreuz erscheint und ich drücken den Boost Knopf. War das ohrenbetäubende Zerlegen der Häuserwände noch nicht laut genug, kracht es jetzt noch mehr und dazu gibt es eine Zeitlupenanimation in der mein Wagen durch Flammen rasend einen Absatz hinunter springt und noch mehr Wände einreist. Weil ich richtig schön viel zerstört habe und der Sprung weit genug war, lädt sich die Power-Leiste gleich wieder auf und die Zerstörungsorgie geht weiter.Adiós geliebtes Ridge Racer - willkommen Unbounded
Wie im Einstieg bereits geschrieben, geht es bei Ridge Racer Unbounded um viel mehr als nur gekonnt um die Kurven zu driften und dabei reichlich Energie zu sammeln um mit halsbrecherischer Geschwindigkeit und Nitroboost den Gegnern ordentlich einzuheizen. Dabei wird auf den ersten Blick klar, dass hier einiges geändert wurde. Auch im Verlauf des Spiels stellt sich immer deutlicher heraus, dass ein neuer Entwickler das Ruder übernommen hat.
Die Serie schlägt mit Unbounded eine neue Richtung ein und vereint scheinbar jedes erdenkliche Rennspiel-Genre in einem Titel.
Ridge Racer war geil!
Anders kann man es nicht sagen. Mag sein, dass es zu allgemein gesprochen ist und sich nur die angesprochen fühlen, die Arcade Racer lieben, doch genau dieses Genre wurde von den Ridge Racer Klassikern immer bestens bedient. Selbst mit bockschwerem Schwierigkeitsgrad und damit unzähligen wiederholten Rennen, konnte ein Ridge Racer der alten Stunde stets begeistern.
Und wo bleibt hier Ridge Racer?
Diese Frage lässt sich wirklich schwer beantworten. Um es gleich vorweg zu sagen, Ridge Racer Unbounded ist kein schlechtes Spiel - aber auch kein besonders gutes. Eigentlich darf man keinen Vergleich mit den originalen Spielen anstellen doch ohne geht es letztlich nicht. Somit endet man schnell in einer Sackgasse und ist geneigt, Unbounded zu verfluchen.
Auch bei Ridge Racer Unbounded ist es nicht anders. Zum bekannten kommt hier noch hinzu, dass es nicht nur scheppert und kracht, sondern noch mehr explodiert und - jetzt kommt der Genremix - Autos mit einer Art Takedown von der Strecke katapultiert werden können als auch die Umgebung gezielt zerstört werden kann. Das alles funktioniert jedoch anders als in der Burnout Reihe oder in Split/Second erlebt.
Was Unbounded gut kann, ist die Zerstörung der Spielumgebung. In Split/Second wurden dazu Events ausgelöst, hier hingegen kann man im Grunde jedes "kleinere" Streckenobjekt, und dazu zählen auch niedrige Mauern oder Mauervorsprünge an Häusern sowie Brückenpfeiler, zerstört und mit Einsatz von Power auch ganze Hauswände eingerissen werden. Doch das System hat einen Haken.
Verdammte Hauswand
Die Sache ist leider komplizierter als gedacht und kann frustrieren. Nicht immer ist es sofort ersichtlich, ob etwas zerstörbar ist oder nicht. Die folgende schwarz/weiß Animation bei letzterem schickt uns bei einer Fehleinschätzung in die ewigen Jagdgründe der Rennspieler. Der richtige Zeitpunkt zum Drücken des Boost ist ebenfalls wichtig. Hat man den Boost Knopf verfrüht gedrückt, knallt man gnadenlos gegen eine Betonwand die zuvor als zerstörbar markiert war, nun aber ihrem Namen alle Ehre macht. Ebenso sind öfter mal die gerade angesprochenen Häuserecken im Weg, weil der gesamte Bildschirm mit herumfliegenden Trümmerteilen übersät ist oder Flammen die Sicht versperren. Die Streckenführung ist nicht immer eindeutig und ein HUD mit Streckenkarte oder anderen hilfreichen Anzeigen gibt es nicht.
Also entweder damit anfreunden oder eben aufhören Ridge Racer Unbounded zu spielen. Denn wer jetzt denkt es ginge auch ohne driften, der hat sich getäuscht.
Künstliche Intelligenz oder rüpelhafte Betrügerei?
Nochmal verdorben wird einem der Spaß in den Rennen, bei denen man trotz guter Fahrweise immer wieder von der Konkurrenz abgeschossen, abgehängt oder ausgebremst wird. Einer fährt vorweg und scheint wie auf magische Weise uneinholbar. Andere haben 50 Meter nach dem Start bereits den Boost ausgelöst - für den menschlichen Spieler absolut unmöglich. Und wenn das nicht eintritt, dann wird man alle 100 Meter von den Gegnern zerstört und landet schneller als man sich versieht auf dem letzten Platz.
Hier stellt sich die Frage, ob einfach vergessen wurde zu optimieren, die KI absichtlich unfair ist oder ob die guten alten Zeiten aufleben sollten ohne gleichermaßen spaßig zu sein. Auch früher wurde Ridge Racer kontinuierlich schwerer und wusste auch erfahrene Spieler stetig neu herauszufordern, doch konnte dort mit Übung und Streckenkenntnis viel gewonnen werden.
Ridge Racer Unbounded - Shindo Rennen - Finstere Ecken
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Alles schon mal gesehen
Streckenkenntnis erwirbt man bei Ridge Racer Unbounded auch. Doch anders, denn häufig wiederholen sich gleiche Streckenelemente und die Karriere stellt damit eher eine Sammlung aus unterschiedlichsten Kombinationen der Streckeneditor Teile dar. Es ist also deutlich sichtbar, dass Bugbear das gleiche Werkzeug eingesetzt zu haben scheint, welches auch im fertigen Spiel für den Käufer bereit steht.
Die Rede ist vom City Creator, dem Streckeneditor in Unbounded. Er liegt in zwei Ausführungen vor. Entweder als Standard Editor mit Blöcken die aneinandergereiht werden können. Oder als erweiterte Version, die wesentlich mehr Kreativität ermöglicht. Hier können auch einzelne Straßen zwischen die Häuserschluchten von Shatter Bay gesetzt und halsbrecherische Kurse gestaltet werden.
Hat man eine Kreation fertig, lässt sich diese sofort spielen, speichern und anschließend mit dem Rest der Welt teilen.
Gute Auswahl und hoher Anspruch
Positiv ist auf jeden Fall die Auswahl der Renntypen. Angefangen bei herkömmlichen Rennen inklusive Boost Unterstützung, gefolgt von Domination Rennen in denen man die Strecke an vorbestimmten Stellen durch den Einsatz von Power zerstören kann über Vernichtungsrennen in denen es gilt so viele Gegner wie möglich abzuräumen bis hin zu Zeitrennen. In letztgenannten müssen mit Driften Punkte eingefahren werden um so die Zeit zu verlängern.
Bei all der Auswahl darf nicht unerwähnt bleiben, dass die fahrerischen Anforderungen teilweise recht hoch gesetzt sind und gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad schwankt. Manche Herausforderungen lassen sich ohne Probleme beim ersten Anlauf gewinnen, andere erfordern so viele Neustarts, dass man irgendwann mit dem Zählen aufhört. Gepaart mit der bereits teilweise recht unfair agierenden KI ist hier einiges an Durchhaltevermögen gefordert.
Bis die Ohren abfallen
Optisch kann sich Ridge Racer Unbounded nicht viel vorwerfen lassen. Zwar bleibt der PC in Sachen Einstellungsoptionen mal wieder stark eingeschränkt und es sieht deutlich nach einem zuerst für Konsolen entwickelten Rennspiel aus. Davon einmal abgesehen, geht die Grafik jedoch in Ordnung. Mit einem peniblen Blick wird zwar auch hier schnell der eine oder andere Mängel aufgedeckt, die in der Mehrzahl farbig nett gestalteten oder mit passender Beleuchtung ausgeschmückten Strecken, die spektakulär herumfliegenden Trümmerteile und kräftige Explosionen reißen das jedoch raus.
Beim Sound zeigt Ridge Racer Unbounded jedoch, wie die Action klingen muss. Die Explosionen, Unfälle und Soundeffekte allgemein sind richtig satt. Es kracht ordentlich und mit dem richtigen Soundsystem wird der Nachbar denken, man gestaltet die Wohnung neu. Beim Motorensound darf nicht ganz so viel erwartet werden aber für das was drumherum passiert, sind diese absolut in Ordnung.
Übrigens es heißt Langzeitbelichtung, mit der man solche Leuchtspuren auf ein Foto bringt.