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WRC 5: FIA World Rally Championship Test

WRC 5: FIA World Rally Championship im Test: Rally-Rennspiel mit schwer ersichtlichem Fokus


Alexander Weißgerber, 01.11.2015
Mit WRC 5 hat Publisher Bigben Interactive einen neuen Entwickler ans FIA WRC Steuer gelassen. Das in Paris ansässige Studio Kylotonn Games tritt die Nachfolge von Milestone an und steht damit auch unter entsprechendem Druck. Teil 1-4 der FIA World Rally Championship Rennspiele konnten sich mit jedem neuen Ableger mehr Gehör verschaffen, erreichten jedoch nie die Qualität, die von vielen Rally-Fans erwartet wurde. Kylotonn soll nun für Besserung sorgen. Anhand der PC Version habe ich mir ein Bild davon gemacht und kann sagen, schlecht ist WRC 5 nicht, von einem guten Rennspiel kann jedoch auch nicht die Rede sein.

Eine Stimme die mich einlullt

Direkt zu Beginn werde ich schon hin und her gerissen. Nett präsentierte Menüs inklusive 3D wirken ordentlich. Erschreckend einschläfernd tönt hingegen eine Frauenstimme aus den Lautsprechern, die mir erklärt, was ich wo erledigen kann. Eine Schlaftablette kann nicht intensiver wirken.

n/a Zum Glück spielt sich nur ein sehr kleiner Teil in den Menüs ab, so dass ich schnellstmöglich die Flucht auf die Rennstrecke antrete. Zuvor musste ich wählen, für welches Rally-Team ich fahren möchte. Dabei kann ich zwischen drei Angeboten unterscheiden, die jeweils andere Anforderungen an mich stellen. Das eine verlangt eine möglichst materialschonende Fahrweise, beim anderen sind Fahrzeugschäden vollkommen egal, Hauptsache ich gewinne.

Das ist eine gute Idee, immerhin entscheidet diese Wahl auch über die Geschwindigkeit der Reparaturen nach den Etappen - die eigentlich immer anfallen, egal wie sauber ich fahre - und über die Motivation im Team. Wenn ich mich nicht allzu blöd anstelle ist es aber schwer die erlaubte Zeit für Fahrzeugreparaturen nicht einzuhalten. Lediglich die Reifen und Bremsen haben konsequent einem extrem hohen Verschleiß und müssen daher regelmäßig repariert beziehungsweise ausgewechselt werden.

Weder Rally-Simulation noch Arcade-Rennspiel

Und damit bin ich auch schon beim Thema Physik angekommen. Im Prinzip das wichtigste in einem Rennspiel, egal ob Arcade Racer oder beinharte Rennsimulation. Was genau WRC 5 sein will, lässt sich nur schwer beurteilen. Einerseits erleidet der Rallywagen reichlich Schaden wenn ich rücksichtslos über Steine und durch Gräben bretter. Andererseits vermitteln die Reaktionen des Autos zu wenig Realismus.

n/a Wenn sich das Auto, egal ob Junior-WRC oder WRC Klasse, über die Piste bewegt, fühlt es sich stets an, als wäre alles in Watte eingepackt. Obwohl inzwischen mehrere Patches veröffentlicht wurden die für erweiterte Lenkradunterstützung sorgen und die Rüttel-Effekte am Gamepad verstärken, WRC 5 schafft es nicht mir zu vermitteln, dass ich ein Auto fahre. Alles fühlt sich entkoppelt an – wobei ich hier nur von der Steuerung mittels Xbox 360 Gamepad sprechen kann. Mein Lenkrad, ein Logitech Momo Racing, steht sinnlos in der Ecke rum, es wird von WRC 5 nicht unterstützt.

Im Endeffekt schiebe ich den Kasten namens Auto irgendwie über die Strecke, animiere ihn dazu in einen Drift zu gehen, der sogar irgendwie kontrollierbar aber eben nicht spürbar ist, und erziele so die gewünschten Siege. Umso trauriger ist es, dass trotz der recht direkten Steuerung das Fahrgefühl so trocken bleibt.

n/a Positiv im Sinne der Nachvollziehbarkeit, wirken sich Verschleiß und Schäden aus. Desto mehr Etappen ohne Reparaturmöglichkeit anstehen, desto schlechter bremst das Auto. Das geht sogar so weit, dass ich meinen Fahrstil komplett umstellen musste, weil das Auto die Verzögerung eines Fahrrades mit Stempelbremse hatte und Kurven auch ohne Schnee und Eis einer Rutschpartie ähnelten.

So schön diese gerade beschriebene Auswirkung des Fahrzeugs auch ist, alles bleibt zu diffus. Wäre das Fahrverhalten durchweg knackig unrealistisch aber nachvollziehbar, könnte WRC 5 als spaßiger Arcade Racer durchgehen. So aber ist es weder eine Simulation noch ein arcadiger Vertreter des Rennspiel-Genres.

Zweckdienlich aber nicht unbedingt schön

An das entkoppelte Fahrverhalten kann ich, nein, muss ich mich gewöhnen. Nur so lässt sich WRC 5 spielen. Dabei machte ich auch die Erfahrung, dass es in diesem Rennspiel wesentlich mehr Spaß macht in der Motorhaubenperspektive zu fahren, als die Cockpitkamera zu nutzen. Letztere vermittelt keinerlei Geschwindigkeit. Selbst mit einhundertfünfzig Stundenkilometern durch den Wald kommt es mir vor, als würde ich nur siebzig fahren.

Dabei ändert sich jedoch nicht die Grafik, die bleibt weiterhin eher zweckdienlich und wird niemals schön. Würde der Rest, also das Fahrverhalten und die Physik, umwerfend gut sein, könnte ich problemlos damit leben. Grafik ist schließlich nicht alles, auch wenn heute offensichtlich viele Spieler die Grafik vor den Spielspaß stellen. Doch weil WRC 5 in puncto Rally-Feeling nur eingeschränkt Spaß macht, wäre richtig schicke Grafik ein Bonuspunkt.

n/a Die Strecken sind mal abwechslungsreich gestaltet, mal extrem öde und steril. Die Autos haben zwar einen ausreichend hohen Detailgrad. Doch Kaltverformungen bei Unfällen sehen eher kurios als gut aus. Knittriges Blech wie die Haut eines Achtzigjährigen. So sieht ein Auto im wahren Leben nicht aus, wenn ich mit voller Wucht in die Böschung krache oder mein Heck die Leitplanke beim Drift touchiert.

Gut ist, dass WRC 5 zahlreiche Wettereffekte darstellt und dabei auch Auswirkungen auf das Fahrverhalten simuliert. Egal ob Regen, Schnee, Nebel oder auch unterschiedliche Tageszeiten inklusive dieser Wettererscheinungen, alles wird geboten und sorgt dafür, dass wenigstens hier für Authentizität gesorgt ist. Optisch werden die Effekte zwar nicht immer besonders herausragend präsentiert, insbesondere Nachtrennen wirken in der Motorhaubenperspektive ziemlich bedrückend – viel zu harte Schatten und ein Sichtfeld, das an einen Blick durch ein Periskop erinnert - doch das stört nur wenig.

WRC 5: FIA World Rally Championship - Rallye Monte Carlo / Citroën DS3 R3 Max W.P. 4 (Nacht)

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Ruck zuck – wäre da nicht die Fahrschule

Die Karriere von WRC 5 gestaltet sich wie in vielen anderen Genre-Vertretern auch, recht simpel. Als Einsteiger geht es in der Junior-WRC Klasse los, danach darf aus verschiedenen Angeboten der WRC-2 Serie ausgesucht werden und schließlich geht es ab in die Königsklasse, die WRC. Durchweg bietet FIA World Rally Championship 5 die echten Teams und zugehörigen Fahrer sowie die originalen Austragungsorte der Rally Weltmeisterschaft.

Zu Beginn, also in der Junior WRC werden nur wenige Länder gefahren, in der WRC-2 sind es schon ein paar mehr. Der komplette Rennkalender wird jedoch erst in der WRC durchlaufen. Davor entscheidet der Zufall die Punktevergabe für die Länder, welche ich nicht fahren darf.

n/a Die gesamte Spielzeit um alles in WRC 5 durchgespielt zu haben, beträgt etwa 20 Stunden. Kein schlechter Wert, doch durch die bereits angesprochenen negativen Aspekte bietet das Rennspiel auch wenig Anreiz, später immer wieder mal einzelne Rennen zu fahren. Vielleicht liegt das auch daran, dass die durchschnittliche Länge der Etappen recht gering ist. Zu schnell ist eine Etappe beendet, nur wenige Ausnahmen sind länger als sieben oder acht Kilometer.

Dazu kommt, ziemlich häufig fährt man die gleichen Etappen, einzig die Tageszeit oder das Wetter variieren. Das hat zwar den Vorteil, dass ich mir den Streckenverlauf einprägen kann und beim nächsten Durchlauf garantiert die gerade verhauene Kurve richtig nehme, doch Abwechslung sieht anders aus. Klar, auch in der Realität werden manche Etappen mehrfach befahren, die gesamte Streckenlänge ist deutlich größer und die damit verbundene Abwechslung sieht komplett anders aus.

Eine Rückspulfunktion, inzwischen in sehr vielen Rennspielen zum Standard geworden, gibt es in WRC 5 nicht. Statt dessen kann fünf mal eine Etappe neu gestartet und es kann fünf mal vom letzten Messpunkt für die Zwischenzeiten begonnen werden. Dabei gibt es ein merkwürdiges Verhalten bei der Anzeige der Zwischenzeiten, diese sind immer grün, auch wenn ich eine schlechtere Zeit gefahren habe als die Konkurrenz. Das irritiert, weil somit innerhalb einer Etappe nicht ersichtlich ist, ob ich zurückgefallen bin oder noch vorn liege.

WRC 5: FIA World Rally Championship - Rally Mexico / Mini JCW S2000 / PC Gameplay

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Fahrschule ist nervig

Richtig nervig empfand ich persönlich die Fahrschule in WRC 5. Zwar soll damit insbesondere Neulingen näher gebracht werden, wie man ein Rallyfahrzeug bewegt, doch die Art und Weise ist als grenzwertig und frustfördernd einzustufen. Es beginnt damit, dass ich immer wieder zwischen den Ländern innerhalb der Meisterschaft unterbrochen wird und die Aussage erscheint, ich müsse noch viel lernen und könne doch die Rally-Schule besuchen.

Glücklicherweise lassen sich diese Frage und der Besuch der Fahrschule ablehnen und es geht weiter im Rally-Kalender. Wenn ich aber mal zu eifrig geklickt habe, muss ich doch in den sauren Apfel beißen und irgendwelche künstlich angelegten Routen befahren und dabei dermaßen penibel auf die Ideallinie achten, dass ganz schnell der Spaß vorbei ist.

Der Sound als Mittel zum Zweck

Komme ich zum Schluss noch auf den Sound zu sprechen. Bereits zu Beginn erwähnt, ist die weibliche Stimme im Menü weder sexy noch motivierend sondern eher eine andere Form von Valium. Allzu häufig wird man mit dieser nicht konfrontiert, so dass die Kritik auch nicht als schwerwiegend angesehen werden muss.

Viel wichtiger sind die Motorengeräusche und der Beifahrer, dessen Stimme für mich als Rally-Pilot über Leben und Tod entscheiden kann. Die Motoren in WRC 5 sind durchweg extrem zahm. In der Außenperspektive gibt es auch mal etwas bissigeren Sound zu hören, doch vom Hocker haut mich das gebotene jedenfalls nicht.

n/a Der Copilot ist gut verständlich, eilt manchmal jedoch ein wenig zu sehr voraus. Da werden fünf Kurven am Stück runtergerattert, die ich mir bei all der Konzentration auf die Strecke gar nicht merken konnte, so dass ich in Kurve fünf nicht mehr weiß, ob es eine vier oder eins war. Auch die Art der Ansagen ist schwer gewöhnungsbedürftig.

Jedes Rally Rennspiel geht hier einen eigenen Weg. So wie in der Realität auch jedes Team anders vorgeht und es keine feste Nomenklatur gibt. In WRC 5 musste ich mich jedoch stark umgewöhnen im Vergleich zu anderen Spielen. Mit der Zeit geht das, so richtig gefallen hat es mir dennoch nicht.

Wie wichtig die Ansagen sind wird dann deutlich, wenn der Bordfunk auf Grund defekter Elektronik komplett ausfällt. Auch das simuliert WRC 5.

Ob sich der Kauf von WRC 5 lohnt zeigen Fazit und Wertung auf der nächsten Seite
 

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  • Webseite: n/a
  • Entwickler: Kylotonn Games
  • Publisher: Bigben Interactive
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