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Forza Horizon 5 – Gameplay-Vollkatastrophe in Hochglanz-Optik
#1
Kinder, wie die Zeit vergeht! Unglaubliche sechs Jahre ist es her, dass ich hier zuletzt aktiv war. Aber da man überall nur dieselben unreflektierten Superlative über Forza Horizon 5 liest und mir spontan kein anderes Rennspiele-Forum eingefallen ist, habe ich mein altes Benutzerkonto noch einmal aktiviert.

Denn es ist höchste Zeit, die Wogen der übertriebenen Begeisterung ein wenig zu glätten. Und da Timm Busfahrer von AltF4Games das bisher noch nicht getan hat, sehe ich mich verpflichtet, einmal meine Erfahrungen mit dem "grandiosen Open-World-Meisterwerk" (PC games) zu schildern. Denn das Spiel ist ganz nett – aber sicher nicht das beste Rennspiel, das es jemals gegeben hat. Es ist nicht einmal das beste Forza Horizon.

Die Map

Wie schon zur Genüge festgestellt, ist die Grafik sehr gut und die Welt abwechslungsreich und größtenteils auch ganz hübsch. Allerdings ist die Map viiiiieeeeel zu groß. In Horizon 1 hatte man mit Colorado auch eine abwechslungsreiche Welt, die aber trotzdem eine übersichtliche Größe hatte. Zudem verliert die Map durch ihre Größe arg an Faszination, fängt bisweilen sogar an zu langweilen. In Horizon 1 war wirklich jedes Bild ein Postkartenmotiv. In Horizon 5 fährst du teils ewig lang einfach nur zwischen staubigen Kakteen durch. Aber selbst das kann man fotogen aussehen lassen, wie Red Dead Redemption 1 bewiesen hat. Aufgaben wie "Fahre vom Osten der Map ganz in den Westen, um dort eine Mission anzunehmen, die dich wieder ganz in den Osten schickt" machen das Autofahren selbst mit einem schnellen Auto sogar lästig. Was in einem Rennspiel nicht unbedingt von Vorteil ist.

Die Atmosphäre

Apropos lästig: Wer hat eigentlich die deutsche Sprachausgabe verbrochen? Da Forza Horizon 5 in Mexiko spielt, dürfen die einheimischen nach Ansicht der Entwickler nicht fließend und akzentfrei Deutsch sprechen. Einen sympathischen und sexy spanischen Akzent wie Ricardo Montalbán hat man den Spielfiguren aber auch nicht gegönnt. Stattdessen hat man die schlechtesten Hörspiel-Laien angeheuert, die man finden konnte, die nun völlig willkürlich spanische Wörter mit brutal deutschem Akzent in einen deutschen Satz einbauen. "Ich habe diesen Vocho von meinen Padres geerbt" und "Wir müssen Telemetriedaten für die Universidad aufzeichnen". Laut Playground Games sind Mexikaner also zu blöd, um auch nur einen Satz in einer Fremdsprache zu sagen. Ist es das, was sie groß als "respektvollen Umgang mit der mexikanischen Kultur" angekündigt haben? Einen Radiosender, der nur mexikanische Musik spielt (was der Atmosphäre sicher zuträglicher gewesen wäre als das lächerliche Andale-Andale-Tourette), gibt es übrigens nicht.

Das Laientheater wäre mir noch herzlich egal, wenn man Zwischensequenzen wenigstens überspringen könnte. Kann man aber nicht. Also ist man gezwungen, sich den peinlichen Sprachinzest in voller Länge anzuhören. Und nicht nur das: selbst während der Schaurennen und "Story-Mission" labern dich die Aushilfs-Mexikaner durchgehend mit irgendwelchem Müll zu, selbst wenn man in den Audio-Optionen "Sprache" auf null Prozent stellt. Das hat mich nach einiger Zeit echt loco gemacht. Und sehr, sehr furioso. Peinlich ist auch, wie krampfhaft Playground Games versucht, die Charaktere lustig und locker wirken zu lassen. Erreicht haben sie ziemlich genau das Gegenteil. Ich musste bisher noch nie lachen, weil ein Witz im Spiel wirklich witzig war. Sondern nur, wenn er besonders peinlich und schlecht war.

Der Charakter-Editor

Die Spielfiguren, die man sich für seinen Charakter auswählen kann, sind obendrein die hässlichsten, die mir je untergekommen sind. Und irgendjemand bei Playground Games muss sie bewusst entstellt haben. Besonders deutlich wird das an der Blondine mit den gescheitelten, schulterlangen Haaren. In Teil 3 war sie umwerfend hübsch, in Teil 4 sah sie immer noch sehr gut aus. Nun zieht sie permanent eine Entenschnute, die auch noch viel zu weit nach oben gerutscht ist und ihr ein Kinn wie Michael Schumacher verpasst. Die anderen Avatare sind ebenfalls grausam ungesichtig und unansehnlich und wirken wie das Erstsemesterprojekt eines (durchgefallenen) plastischen Chirurgen, der nur eine vage Ahnung davon hat, wie ein Gesicht ungefähr aussieht. Selbst die Hackfressen aus Skate 3 sahen menschlicher aus. Zum Glück gibt es Integralhelme. Die Auswahl an Kleidung ist deutlich geringer als in Teil 4, Röcke sind allesamt viel zu kurz und weiße Kleidungsstücke sehen so aus, als würde man sie seit drei Monaten ununterbrochen Tragen. Denn so macht man das in Mexiko! Die affigen Siegestänze gibt es übrigens auch noch. Und nun führen sogar die Zweit- und Drittplatzierten nach jedem Rennen ihre dämliche Nummer auf. Weil eine Niederlage ja auch unbedingt gefeiert werden muss. Auf Mädels mit Männerstimme hat die Videospielwelt übrigens auch nicht gewartet.

Die Autos

Aber kommen wir nun einmal zum Wichtigsten bei einem Rennspiel: den Autos und dem Fahren. Und auch hier überzeugt Forza Horizon 5 nicht wirklich. Die Auswahl an Autos ist mit 500 Wagen riesengroß, aber trotzdem nicht wirklich abwechslungsreich. Vielleicht geht es nur mir so, weil ich ältere Autos bevorzuge. Aber ich muss nicht zwischen einem 2019er Porsche 911 GT3 RS, einem 2019er Porsche GT3 RS "Forza Edition", einem 2019er Porsche 911 Carrera S, einem 2018er Porsche 911 GT2 RS, einem 2016er Porsche 911 GT3 RS, einem 2014er Porsche 911 Turbo S und einem 2012er Porsche 911 GT2 RS unterscheiden können. Dafür gibt es nur einen einzigen Opel. Forza Horizon 3 hatte neben dem Manta 400 wenigstens noch GT und Kadett C, Horizon 4 den Kadett A und Forza Motorsport 4 den Speedster. Einen späten "Mexiko-Käfer" gibt es übrigens ebenso wenig wie den mexikanischen Lizenz-Borgward FANASA 230. Wow, Playground Games hat für dieses Rennspiel echt alles aus dem Mexiko-Szenario rausgeholt. Aber Hauptsache, man kann aus 200 verschiedenen Hupen wählen. Prioritäten.

Die Autos sind in vier Kategorien eingeteilt: "gewöhnlich", "selten", "episch" und "legendär". Also sind alle Autos, die man im Autosalon beliebig oft kaufen kann, gewöhnlich; und die Wagen, die man nur über Glücksrad, Wochenherausforderungen oder Scheunenfunde bekommen kann, je nach Seltenheit selten, episch oder legendär? Nö. So logisch denkt man bei Playground Games nicht. So kann man sich zehn Mal den gleichen "epischen" Lamborghini Aventador Superveloce kaufen, aber nur maximal einen "gewöhnlichen" Renault 4L in der Garage haben. Die sinnlose Seltenheits-Einstufung ist nicht nur affig, sondern auch hässlich. Denn weil jede Wertigkeit eine andere Farbe hat, ist die Garage bald so bunt wie ein Lernspiel für Vorschulkinder.

Dass das Motortuning nun auch Einfluss auf den Klang des Autos hat, ist eine der wenigen (längst überfälligen) guten Neuerungen und fügt dem Aufmotzen neben der reinen Leistungssteigerung eine weitere, emotionalere Ebene hinzu. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß daran, den Sound meines Nissan Skyline GT-R genau nach meinen Vorlieben zu modellieren. Die gesteigerte Zahl vor allem an klassischen Nachrüst-Rädern ist ebenfalls ein Lob wert. Ebenso, dass nun nicht mehr alle Bremssättel rot sind, was vor allem Fahrer von blauen Autos begrüßen dürften.

Das Fahren

Die Autos fahren sich allesamt, wie man es aus den Teilen 2 bis 4 (Horizon 1 war etwas weniger arcadig) kennt. Allerdings gibt es nun neben jeder asphaltierten Straße noch einen "Verzeihungsstreifen" von gut einem Meter Breite, der sich trotz Grass- oder Sand-Optik noch wie Asphalt anfühlt und das Auto nicht instabil werden lässt, sobald man mit einem Rad in den Dreck kommt. Die fahrerische Herausforderung, die dank Rückspulfunktion auch in den Vorgängern ohnehin kaum vorhanden war, sinkt dadurch auf ein Minimum. Komme mit 400 km/h von der Straße ab und fahre weiter, als wäre nichts gewesen! Die wohl dämlichste Idee, die jemand in einem Rennspiel je hatte, waren aber die Leitplanken aus Styropor. Ich möchte das hier einmal klarstellen: Leitplanken, die nicht leiten, kann man auch weglassen! Aber dann kann man belohnungsgeile Kiddies natürlich nicht mehr mit Fähigkeitspunkten zubombardieren, bis sie "Stopp" sagen. Dass man durch vertüddelte Holzzäune durchfahren kann wie durch Papier schön und gut. Aber vernieteter und einbetonierter Stahl sollte schon etwas mehr aushalten. Dass die Fahrbahnbegrenzung bei jeder noch so kleinen Berührung förmlich explodiert, nervt besonders auf Brücken oder Bergstraßen tierisch, weil man sich nicht mehr "anlehnen" kann.

Das ist an sich aber auch egal, da sie Stecken ohnehin nicht sehr anspruchsvoll sind. Es sind zwar mehr als im Vorgänger und die Rundkurse sind nun teils deutlich länger, aber trotzdem erinnern viele von ihnen an Formel-1-Kurse von Hermann Tilke: Vollgasgerade, enge Kurve, nächste Vollgasgerade. Lange Schwünge mit mittlerem Tempo gibt es auf Asphalt so gut wie gar nicht. Das können die Rallye-Pisten deutlich besser und machen dank Sprüngen, schnellen Rechts-Links-Wechseln und Wasserlöchern sogar wirklich Spaß. Trotzdem sieht man der Karte aber an, dass sie am Reißbrett und nicht "natürlich" entstanden ist. Der Welt in Forza Horizon 1 nimmt man viel eher ab, dass die Stassen (wie in echt) in eine existierende Landschaft gebaut wurden – und nicht andersherum.

Die (nicht vorhandene) Progression

Das allergrößte Problem von Horizon 5 ist aber, dass sich absolut nichts in diesem Spiel nach Fortschritt anfühlt. Man erweitert einen Außenposten, fährt das erste der 15 neuen Rennen und hat durch Fähigkeitsketten, Auszeichnungen und EP-Boni für jeden Unfug gleich die nächste Erweiterung freigeschaltet, bevor man auch nur ansatzweise mit der vorherigen fertig ist. Hurra, Herausforderung! Das ist, als würde man in Need for Speed: Underground 2 mit Rachels Nissan vom Flughafen losfahren und nach dem ersten Powerslide die Nachricht bekommen, dass die Straße nach Beacon Hill frei ist. Nach 15 Minuten – noch bevor ich überhaupt ein Rennen gefahren bin – hatte ich in Horizon 5 dank Glücksrad genug Geld für einen Nissan Skyline R34 GT-R und einen Ford Escort RS Cosworth und damit quasi meine (in Horizon 5 möglichen) automobilen Ziele erreicht und nichts mehr zu tun. Danach konnte ich alles stumpf mit denselben zwei Wagen abgrinden ohne auf irgendein Spielziel hinzuarbeiten. Eine Notwendigkeit, meine Autos zu wechseln oder neue zu kaufen, sah ich nie. Der Schwierigkeitsgrad steigt mit steigendem Spielfortschritt nämlich nicht an. Und auch abseits davon gibt es nichts mehr zu erreichen oder gar freizuschalten. Kennt man das überhaupt noch? Freischalten? Das war früher oft der Anreiz, ein Spiel durchzuspielen. Neben einem guten Gameplay und der steigenden Herausforderung durch immer anspruchsvollere Gegner.

Fortschritt ist aber auch nicht nötig. In Forza Horizon 1 kommt man als unerfahrener Niemand mit einem langsamen Auto zum Festival und arbeitet sich langsam zur Nummer Eins hoch. In Horizon 5 hingegen ist man bereits von Anfang an der Gottkönig der Autorennen und muss absolut niemandem mehr etwas beweisen. Warum dann überhaupt noch Rennen fahren? Könnte ich es mir dann nicht einfach auf meiner kleinen Hazienda bequem machen und das Leben mit Tequila und Tacos genießen, während Speedy Gonzales im Gästehaus wohnt und mir meine Muchachos mit Palmwedeln kühle Luft zufächern? Das Spiel gibt mir überhaupt keinen Grund, es wirklich zu spielen! Egal was man macht, es ist hinterher nicht anders als vorher. Obendrein war mir der Kult um meine (Spiel-)Person die ganze Zeit extrem unangenehm weil völlig übertrieben. Ständig kriechen einem die Nebencharaktere bis zu ihrer Schuhsohle hinten rein und beten einem vor, wie herrlich man doch wieder war, ist und immer sein wird. Will das wirklich jemand hören?

Das (völlig übertriebene) Belohnungssystem

Das Gameplay passt sich dem übrigens einwandfrei an. Es ist ein Witz, wie sehr man mit Belohnungen, Erfolgen und Meilensteinen zugeschüttet wird. Du hast die ersten zehn Grashalme plattgefahren? Hier hast du 250 EP! Du hast einen Gegner ohne Totalschaden überholt? Du bist der Größte! Verlangen die heutigen Videospieler wirklich für jede banale Selbstverständlichkeit ein überschwängliches Lob? Im Werksfahrer-Modus von Need for Speed: Porsche Unleashed wurde ich auch als Kind wie ein Erwachsener behandelt. Und wenn ich versagt habe, wurde mir das auch genau so gesagt. Nun werde ich als Erwachsener von Forza Horizon 5 wie ein (geistig zurückgebliebenes) Kind behandelt, das seinen Eltern die erste Kritzelei mit seinen Wachsmalstiften zeigt. Sogar Unfälle werden mit Fähigkeitspunkten belohnt! In Need for Speed: Underground gab’s dafür noch Abzüge.

Man bekommt sogar Belohnungen für Dinge, die man überhaupt nicht selbst geleistet hat. Ich gewinne einen (absolut grauenhaften) BAC Mono am Glücksrad, der dadurch in meinem Fuhrpark landet. Und da der Mono das einzige Modell dieser Marke ist, bekomme ich prompt einen Erfolg für meine "Markenliebe", da ich ja alle Modelle dieser Marke ach so mühsam zusammengesammelt und jetzt in meiner Garage habe – obwohl ich keines davon haben wollte. Dass das Wort "Liebe" heute für jeden noch so kleinen Ansatz von Zuneigung missbraucht wird, ist wieder ein anderes Thema. Für die Fuhrpark-Verwaltung gibt es übrigens drei verschiedene Menüs, die alle etwas anderes, aber jeweils nicht wirklich viel können. Vermutlich weil ein Menü für alles zu übersichtlich gewesen wäre. Dass man durch Glücksräder, Sonderpreise, Scheunenfunde und Geschenke anderer Spieler mit Autos zugemüllt wird, die man dann nicht einmal alle verkaufen oder auch nur löschen kann, macht das Verwalten des Garageninhalts nicht wirklich angenehmer oder gar spaßiger. Nochmal, liebe Entwickler: wenn das Hantieren mit Autos in einem Spiel, das sich nur um Autos dreht, lästig wird, hat man etwas falsch gemacht.

Fazit

Nach einem Wochenende hatte ich alles gesehen und erlebt, was Horizon 5 zu bieten hat. Und auf vieles davon hätte ich sogar gerne noch verzichtet. Zum Glück habe ich das Spiel für 20 Euro gebraucht von jemandem gekauft, dem es ähnlich ergangen ist. Und auch ihr solltet euch hüten, den Vollpreis zu bezahlen. Playground Games verkauft euch seit 2014 wieder und wieder dasselbe Spiel in anderer Verpackung, fügt nur neue Belanglosigkeiten hinzu anstatt elementare Design-Fehler zu beheben und steuert mit der Horizon-Reihe zielstrebig darauf zu, Call of Duty in der ersten Liga des "Das-ist-immer-dasselbe-nur-in-anderer-Optik"-Spotts abzulösen. So viel Faulheit sollte nicht auch noch belohnt werden. Trotzdem erhält Forza Horizon 5 von der sogenannten Fachpresse kontinuierlich Neuner- und Zehnerwertungen, weil die Map ja ach so hübsch aussieht und man endlich wieder auf der "richtigen" Straßenseite fährt. Sollte die Bewertung eines Videospiels nicht auf mehr basieren als auf Grafikgeilheit und kontinentaleuropäischem Verkehrspatriotismus? Zum Beispiel darauf, wie es sich so spielt? Und nur deshalb sah ich mich überhaupt genötigt, hier einmal eine Gegendarstellung zu verfassen. Es ist nicht verwunderlich, dass Spiele immer schlechter werden, wenn die Ansprüche an sie tiefer gelegt werden als die Autos.

Wer ein wirklich gutes Open-World-Rennspiel will, sollte sich Forza Horizon 1 kaufen und die Rückspul-Funktion deaktivieren. Dann bekommt man eine tolle Map, weit mehr Festival-Atmosphäre, einen zwar kleineren, aber abwechslungsreicheren Fuhrpark, einen Karrieremodus, der diesen Namen auch verdient; ein realistischeres Fahrverhalten und vor allem ein gutes, forderndes Gameplay.
[Bild: 50sig4482kek.jpg]
Heckflossen, Petticoats und Rock 'n roll.
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#2
Hmm, ich würde bei einer ganzen Reihe deiner Punkte zustimmen.

Die Synchro ist leider auch im englischen im gleichen Schema - jeder zweite Satz hat spanische Wörter inne. Könnte man echt drauf verzichten.

Beim Fuhrpark ist es schon etwas 'nervig', wenn man das so sagen darf, dass ~10 Marken 20+ Modelle haben und viele andere nur 1-2. Eher negativ auffallen tut mir da allerdings das Vorkommen uralter 3D-Modelle aus Xbox360 Zeiten a la Golf 4 R32, der von den Proportionen schlimmer aussieht als der aus WR2 das in 2005 tat, während bessere Modelle aus neueren Titeln ersatzlos gestrichen wurden.

Obendrauf kamen für mich noch die zahlreichen Bugs, die noch immer nicht behoben sind - so startet mein Game auch nach 5 Patches und trotz Deaktivierung jeglicher solcher Features noch jedes Mal mit Text-To-Speech, die mit deutschem Akzent "Press X for Availability" vorliest.

Persönlich macht mir das Spiel aber schon irgendwo Spaß und es gibt (wie in den Vorgängern) schon gewissermaßen den Anreiz, zur Komplettierung zu spielen. (Fahre alle Straßen, sammle alle Autos etc.)
Zugegebenermaßen fühlen sich die weekly Challenges allerdings mittlerweile nach 100h+ mehr nach "man muss ja" an, um irgendwie noch an alle Autos zu kommen und die belanglosen EP-Herausforderungen helfen auch nicht - EP sind schließlich nach Durchspielen der "Story" für nichts mehr zu gebrauchen.

Als jemand der in Horizon 4 gerne mit Freunden Herausforderungen wie Point-2-Point-Rennen (ohne Navigation und Checkpoints) gefahren ist, ist es zudem äußerst enttäuschend, dass dieses Feature schlichtweg gestrichen wurde.


Deine Empfehlung macht durchaus Lust, auch mal die älteren Titel auszuprobieren, was aber nicht so ganz ohne Hürden ist, wenn man noch Konsole+Spiel benötigt (und das auch für den scheinbar mittlerweile verfügbaren X360 Emulator). Smile
[Bild: 946xzwix.jpg]
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#3
Danke, Basti. Da bin ich ja froh, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe Smile .

Als jemand, der naiverweise noch an das Gute im Videospiel glaubt, wollte ich Forza Horizon 5 nach anfänglichem Frust aber noch einmal eine Chance geben. Also habe ich es noch einmal angeworfen und etwas länger gespielt. Nachdem mein erster Bericht nur auf einer Wochenenderfahrung basierte, kann ich meine Meinung nun also nach ein paar Wochen Spielzeit noch ein wenig präzisieren und korrigieren. Deshalb folgt hier nun Teil 2 meines Erfahrungsberichts (oder meiner "Review" – dieses Wort habe ich bestimmt nicht nur für die Google-Ergebnisse eingebaut). Gleich vorab: Es ist alles noch viel schlimmer als gedacht!

Jahreszeiten

Das beginnt schon bei der völligen Sinnlosigkeit der Jahreszeiten. Warum sind die da? Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – es gibt nur Sand, Sand, Sand und Sand in den Abstufungen warm, sehr warm, warm und nicht ganz so warm. In Horizon 4 gab es wenigstens noch: Sonne, Regen, Schnee, Nebel in den Abstufungen warm, nass, kalt und Heuschnupfen. Für das bisschen Schnee, das im "Winter" oben auf dem Vulkan neben (!) der Straße liegt, hätte man sich den Aufwand auch sparen können. Der könnte auch einfach immer dort liegen und niemanden würde es stören. Dass es jetzt erstmals eine eigene Winterreifenmischung gibt, ist prinzipiell eine gute Idee – aber in der Praxis überhaupt nicht von Nutzen, da der Schnee ja nie auf der Straße liegt. Und selbst wenn: In welcher anderen Jahreszeit braucht man Winterreifen? Da war die Saison-abhängige Kopplung an die Rallye-Reifen irgendwie sinnvoller. In Horizon 5 sind die Jahreszeiten doch garantiert nur noch drin, weil sie eben schon da waren. Und ihre einzige Aufgabe ist es, die Spieler bei der Stange zu halten, weil es das Spiel alleine durch sein Gameplay nicht könnte. Need for Speed Underground 2 macht mir auch nach bald 20 Jahren noch Spaß, ohne sich die Aufmerksamkeit mit wöchentlich neuen Aufgaben zu erzwingen. Das ist das Schöne an einem funktionierenden Spielkonzept.

Der größte Reiz der wechselnden Jahreszeiten entfällt in Horizon 5 aber komplett: Die visuelle Abwechslung durch die stetige Veränderung der Spielwelt. Statt aufeinanderfolgend grün, braun, weiß und rosa ist nun jede Jahreszeit durchgehend gelb. In Horizon 4 habe ich mich noch auf jeden Jahreszeitenwechsel gefreut. Mit einem keramikblauen Nissan Skyline GT-R im Sonnenuntergang durch ein verschneites Winterwunderland zu bummeln und dabei Claude Debussy zu hören, zählt zu den stimmungsvollsten Videospiel-Momenten, die ich in der jüngeren Vergangenheit erleben durfte. Abgesehen davon mochte ich (wohl als einer von wenigen) England als Austragungsort, da ich ein recht anglophiler Bursche bin und die altertümliche Rosamunde-Pilcher-Romatik der Spielwelt irgendwie süß fand. Mexiko als riesiger Sandkasten gibt mir dagegen überhaupt nichts, abgesehen vom Norden der Karte, der mich an Südkalifornien erinnert. In Red Dead Redemption war die Western-Atmosphäre der ausgedörrten Landschaft in Kombination mit der elegischen Musik nahezu perfekt. Aber futuristische Supersportwagen und moderner, billiger Pop-Dubstep in der Sergio-Leone-Landschaft? Das passt nicht wirklich zusammen.

Autos

Deshalb muss ich auch noch einmal auf die Autoauswahl in Horizon 5 zu sprechen kommen, die völlig ohne Sinn und Verstand getroffen wurde. Endlich gibt es ein Setting, in dem man die ganzen Fünfzigerjahre-Amis (Mercury Eight, Hudson Hornet) aus den Vorgängern wegen des Carrera-Panamericana-Bezuges einmal gebrauchen könnte – da werden sie aus dem Spiel entfernt. Stattdessen gibt es noch mehr Supersportwagen, die im ländlichen Mexiko noch deplatzierter wirken als schon im ländlichen England. Wer parkt denn seinen AMG One bitte in einer kaum winddichten Wellblechgarage am Straßenrand? Je länger man spielt, desto mehr hat man den Eindruck, dieses Spiel wurde von Leuten entwickelt, die sich überhaupt nicht für Autos interessieren. Immerhin haben sie jetzt nach knapp einem Jahr eine "Story" mit mexikanischen Autos ins Spiel gepatcht – in ein Rennspiel, das in Mexiko spielt. Und früher hätte man darauf nicht kommen können?

Die allermeisten Autos im Spiel sind aber dieselben seit Teil 2, was Basti ja auch schon aufgefallen ist. Neue Autos (Renault 8 Gordini, Oldsmobile Toronado) gibt es fast nur per DLC. Denn man muss ja als Entwickler sehen, wo man bleibt. Mit 70 Euro für einmal Copy-and-Paste hat man echt knapp kalkuliert. Da kann man den Spielern nicht auch noch neue Automodelle für lau mitgeben. Lieber limitiert man den Zugriff auf viele Autos, die in den vier Vorgängerteilen in beliebiger Menge über die Automesse verfügbar waren, sodass die Spieler sich bloß nicht einfach kaufen können, was sie gerne hätten. Wer will schon einen Datsun 240 Z einfach so mit einem Knopfdruck erstehen, wenn man ihn auch als Belohnung bekommen kann, nachdem man erst alle anderen Nissans im Spiel gekauft hat? Das hat nichts mit Freischalten zu tun, da es nicht vom Spielfortschritt, sondern rein von der Dauer der Grinding-Session zum Geldverdienen abhängt.

Garage und Fuhrpark

Während ich mich in Horizon 4 noch gerne mit Autos zuwerfen ließ und sogar einige behalten habe, die ich ursprünglich gar nicht haben wollte, nervt es mich in Teil 5 nur noch. Jedes Auto, das ich ungewollt erhalte, wird sofort wieder gelöscht. Ich mache mir nicht einmal die Mühe, es im Auktionshaus zu verscherbeln, weil das den Aufwand und vor allem die elendig langen Wartezeiten einfach nicht wert ist. Was war so schlimm an einem "Auto-verkaufen"-Knopf wie in Teil 1? Oder in jedem anderen halbwegs durchdachten Rennspiel? Erinnert sich noch jemand an das System in Need for Speed Porsche? Nein? Ist vielleicht auch besser so. Denn sonst würde man merken, wie grauenhaft das System in Horizon ist. Während ich in Horizon 4 knapp 160 Autos gebunkert habe, enthält meine Garage in Horizon 5 enthält keine 30 Wagen – von denen noch zehn Scheunenfunde sind, die ich nicht löschen kann.

Dabei lässt das Spiel keine Gelegenheit aus, mir mitzuteilen, wenn meine Garage wieder Zuwachs bekommen hat. Beispiel: Ich gewinne ein Auto beim Glücksrad. Das sehe ich und weiß deshalb, dass ich ein neues Auto bekommen habe. Obendrein muss ich "A" drücken, um den Gewinn abzuholen. Zurück in der freien Fahrt, zeigt mir das Spiel eine Meldung, dass ich ein neues Auto bekommen habe. Öffne ich jetzt das Pausemenü, bekomme ich dieselbe Meldung nochmal. Dann muss ich noch ins Fuhrpark-Menü, um diese hässliche gelbe "1" wegzubekommen, wo mir gesagt wird, dass ich ein neues Auto bekommen habe. Und wenn ich dann in die Garage gehe (die etwas völlig anderes ist als der Fuhrpark – ist ja klar), steht unter dem Auto, das ich zu löschen beabsichtige, der Hinweis "Neu." Ab der wievielten Meldung muss ich mich in meiner Intelligenz beleidigt fühlen? Hält Playground Games die Spieler wirklich für so dumm, dass sie nicht den Zusammenhang zwischen einem Autogewinn und einem neuen Auto in der Garage herstellen können?

Dass der Tag-Nacht-Wechsel jetzt auch im Inneren der Spielerhäuser auftritt, ist ein weiterer Umstand, der die Fuhrparkverwaltung so anstrengend macht. Versucht doch 'mal, ein Auto nachts oder bei Dämmerung in einer bestimmten Farbe zu lackieren. Viel Spaß! Ich musste schon bis zu drei Mal das Spielerhaus wieder verlassen und neu betreten, bis ich endlich brauchbare Lichtverhältnisse hatte. Die Karte ist nämlich zu groß und zu langweilig, um mal eben zu einem überdachten Festival-Posten mit neutralem Kunstlicht zu fahren, um ein Auto zu lackieren. Ich zahle sicher keine 10'000 Spielgeld für eine Schnellreise. Und ich grinde erst recht nicht stundenlang über die Map, um alle Rabattschilder umzunieten – die obendrein echt unnötig schwer zu erreichen sind. Natürlich macht es Spaß, 20 Versuche zu brauchen, um ein Schild vom Vordach eines Hauses herunterzuschubsen, und zieht die Spielerfahrung nicht unnötig in die Länge. Denn das ist das, was ich in einem Rennspiel machen will: durch die Luft fliegen und in Häuser krachen anstatt auf Straßen Rennen zu fahren. Das Rabattschild- und Schnellreise-System in Horizon 1 war so viel durchdachter und sinnvoller. Dort gaben die Schilder Rabatt auf Tuningteile. Und für Rabatt auf die Schnellreise musste man drei PR-Stunts (die damals noch etwas anders abliefen als heute) an Außenposten absolvieren, was die Reise dorthin um je ein Drittel verbilligte.

PR-Stunts und Storys

Ich habe es inzwischen aufgegeben, mich überhaupt um die Schilder zu scheren. Ebenso wie um die PR-Stunts, die mich von Anfang an nicht interessiert haben. Was hat man denn von ihnen? Genau: nichts. Im Gegensatz zu Horizon 1 haben sie hier keine Aufgabe. Sie existieren einfach und verstopfen die Karte. Ebenso wie die sogenannten "Storys". Alles, was ich in Horizon 4 noch gerne gemacht habe (oder im Falle der Storys zumindest wohlwollend erduldet), geht mir in Horizon 5 nur noch auf die Nerven. Wie wäre es, statt vieler kleiner Sinnlos-Aufgaben die riesengroße Map für mehr als nur zehn Rennstrecken zu nutzten? Die Spielwelt ist komplett vergeudet. Selbst Bereiche, die offensichtlich so aussehen, als seien sie als Rennstrecke gedacht, werden nicht genutzt. Der Baja-Park im Nordwesten beinhaltet einen einzigen Rundkurs. Stattdessen baut man einen kümmerlichen Streckeneditor ein. Sollen sich doch die Spieler die kreative Arbeit machen, und nicht die Leute, die fürs Game-Design bezahlt werden. Dass man in dem Editor nicht einmal die Position der Startlinie verändern kann, ist indes ein Witz und lässt kaum Raum für Kreativität.

Aber egal, denn das Rennenfahren ist in diesem Rennspiel eh nur eine Nebensache. Die ganzen "Storys" nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als das eigentliche Motorsport-Festival – Zeit, die sie gar nicht verdient haben. Hier werden immer wieder dieselben paar Aufgaben auf viel zu viele "Handlungsstränge" verteilt. Warum so viele unbedeutende Charaktere und Pseudo-Hintergrundgeschichten einführen, obwohl man doch immer nur dasselbe macht? "Fahre in dieser Zeit dort und dort hin", "Erreich eine Fähigkeitswertung von so und so viel" oder "Halte eine Geschwindigkeit von mindestens so viel". Zudem lässt man echt kein Mexiko-Klischee aus (respektvoller Umgang mit der Kultur und so – ja, ja) und würgt sogar krampfhaft Lucha Libre irgendwie mit schnellem Autofahren zusammen. Boah. Warum dann nicht gleich noch eine Story, bei der man eine Mariachi-Kapelle, die in jeder Kurve "Ayayay!" oder "Andale! Andale!" ruft, zu ihren Auftritten fahren muss? Einerseits macht das Spiel so geheuchelt auf politisch korrekt (SS-Embleme von Muscle Cars entfernen), andererseits walzt es völlig unironisch jedes mexikanische Vorurteil aus. Es wirkt alles so lächerlich konstruiert und künstlich. Natürlich streitet sich die "Universidad" mit illegalen Straßenrennfahrern über die Qualität eines Navigationssystems. Natürlich. Als wären alle anderen halbwegs realistischen Szenarios schon aufgebraucht.

Die Aufgaben sind zudem kinderleicht. Anstatt eine riesige Schleife mit knappem Zeitlimit zu fahren, kann man auch nach dem Start direkt rechts ins Feld abbiegen und hat 100 Meter bis zum Ziel und kommt zwei Minuten zu früh an. Wow. Herausforderung. Das führt dazu, dass die Einleitungs- und Abschlußsequenzen mit den peinlichen Dialogen – die man nicht überspringen kann – meist länger sind als die dazugehörige Aufgabe. Natürlich höre ich der Käfer-Tussi noch gerne minutenlang zu, wie sie über alle ihre Verwandten erzählt, die einmal einen Käfer besessen haben (und das sind einige in Mexiko), nachdem ich ein einziges Mal über eine Schanze gesprungen bin, was keine zehn Sekunden gedauert hat. Ist niemandem aufgefallen, dass das eventuell nerven könne, wenn man beim Spielen eines Spiels mehr wartet als aktiv spielt? Das nervt noch mehr als dieses aufgesetzte Alles-und-jeden-supergeil-Gefinde der Spielfiguren. Denn alle Menschen sind ja Freunde. Auch mit den Rivalen aus der Straßenrenn-Story muss man sich am Ende superpeinlich und lächerlich-erzwungen versöhnen. So etwas Böses wie Konflikte darf es in der heilen Horizon-Welt ja nicht geben, nein, nein. Wir haben ja alle einander lieb.

(Un)Fähigkeiten

Die "Fähigkeitsziele" für die Kombination besonders gelungener Fahrmanöver erreicht man noch am besten, wenn man ohne Sinn und Verstand durch die Botanik brettert, hüpft und schleudert. Das hat nichts mit Fahrkönnen und Fahrzeugbeherrschung zu tun. Das ist einfach nur billig. Der nächste Vergleich mit Need for Speed Porsche: Erinnert sich jemand noch an den Werksfahrermodus? DAS erforderte Fahrzeugbeherrschung. In Horizon 5 bekommt man in Driftzonen für Fahrfehler mehr Punkte als für perfekte Drifts in Horizon 4. Ich habe inzwischen den meisten Spaß daran, mich dem Spiel konsequent zu widersetzen. Das Spiel sagt "Bleib auf der Straße"? Tja, dann fahre ich mal so oft und so lange es geht daneben. Das schöne: es geht viel zu gut, viel zu leicht und viel zu erfolgreich. Mir ist es sogar mal gelungen, bei einem Rennen zehn Wegpunkte auszulassen, weil die Ziellinie zu nah an der Strecke lag und man statt weiter der Strecke zu folgen direkt ins Ziel abbiegen konnte. Es beginnt zwar der Fünf-Sekunden-Countdown, dass man einen Wegpunkt verpasst hat – aber nach vier Sekunden hat man bereits das Ziel erreicht, das man eigentlich noch gar nicht erreichen darf. Wieso ist so etwas möglich? Überboten wird das Ganze nur noch von meinem Lieblingsdetail: in Zeitrennen läuft die Uhr weiter, wenn man das Spiel pausiert. Wie unfähig kann man eigentlich sein?

Toll ist auch, wie die Gegner bei den ach so illegalen Straßenrennen fröhlich auf der Ideallinie bumpdraften, als wären sie in Talladega. Hat irgendjemand der Entwickler schon einmal ein Straßenrennen gesehen? Mal ganz abgesehen davon, dass die Straßenrennen in Horizon 1 mit ihren geheimen Treffpunkten deutlich atmosphärischer waren. Ebenfalls toll: manchmal vergessen die Gegner sogar, was sie vor der Ziellinie zu tun haben, und bleiben einfach stehen. Und der ganze Rest des Feldes staut sich dahinter. Offenbar war es zu kompliziert, ein Abweichen von der Ideallinie oder ein Ausweichmanöver bei blockierter Strecke in die KI zu programmieren. Das merkt man auch den "Drivataren" in der freien Fahrt an, die stumpf Vollgas geben, wenn sie vor einem Hindernis stehen. Generell waren und sind die Drivatare eine saudumme Idee. Es nervt tierisch, wenn man nichts ahnend durch die Spielwelt bummelt, und plötzlich donnert einem irgendein bleifüßiger Supercarblödmann mit Karacho ins Heck. Warum können die nicht wie in Midnight Club Los Angeles normal am Straßenverkehr teilnehmen, bis man sie zu einem Rennen herausfordert?

Faule Entwickler

Noch ein Beweis für die Faulheit der Entwickler gefällig? Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, neue mexikanische Nummernschilder zu bauen. Stattdessen wurden fürs Querformat die gelben aus Horizon 4 und fürs Hochformat die weißen aus Horizon 3 wiederverwendet. Wahrscheinlich waren sie zu sehr damit beschäftigt, die Texturen für die 86 (Sechsundachtzig!) Hörgeräte zu erstellen, die jüngst in den Charakter-Editor gepatcht wurden. Denn das hat Priorität in einem Rennspiel. In World Racing 2 (die Älteren unter uns erinnern sich) konnte man aus je fünf Hoch- und Querschildern wählen. In Midnight Club Los Angeles gab es sogar für jeden US-Bundesstaat mindestens ein Schild. Für Kalifornien alleine sogar sechs. Noch Fragen? Allgemein fehlt die Liebe zum Detail und zu durchdachten Kleinigkeiten. Wieso kann man in Horizon 5 nicht ein Renn-Outfit und ein Freizeit-Outfit für seine Spielfigur festlegen, wenn es diesen Kleidungs-Overkill schon gibt? In Horizon 1 zieht die Spielfigur für jedes Rennen einen Integralhelm und Fahrerhandschuhe an; im Freifahrtmodus lässt sie Haar und Finger atmen. Auch solche Nichtigkeiten, die wahrscheinlich nur den wenigsten Spielern überhaupt auffallen, tragen zum Realismus bei und zeigen, dass sich die Entwickler damals noch Gedanken über ihr Spiel gemacht haben.

Heute werden die Fans der Reihe stattdessen in einer Tour von den Entwicklern verarscht. Seit Teil 2 wünscht man sich fast unisono Japan als Austragungsort. Stattdessen bekamen wir erst Australien und dann England. Und gerade, als Playground Games den Linksverkehr als recht skurriles Horizon-Merkmal etabliert hatte und Japan neben Südafrika die einzig logische Konsequenz gewesen wäre, schwenkt man wieder zum Rechtsverkehr und schickt uns nach Mexiko. Gratulation. Das zeigt sehr deutlich, wie viel die Fans, die die Reihe erst groß gemacht haben, den Entwicklern wert sind: einen 70 Euro teuren, beidhändigen Mittelfinger. Was kommt als Nächstes? Der Kongo? Kenia jedenfalls nicht. Das Land hätte mit der East African Safari Rally schon wieder zu viel Auto-Bezug und Motorsport-Vergangenheit. Aber bevor Teil 6 kommt, werden sicher erst einmal alle Autos mit Verbrennungsmotor aus Horizon 5 herausgepatcht, weil sie nicht in die perfekte Welt voller arm- und beinamputierter Schwerhöriger passen.

Ruhmeshalle

Auch wenn es Müsli ist, bei Horizon 5 über Autorennen zu reden, kommen wir doch noch einmal darauf zurück: Hat man also ein paar Rennen abgeschlossen (es müssen längst nicht alle sein), wird man irgendwann in die sogenannte "Ruhmeshalle" aufgenommen. Und meine Güte, war das peinlich und unspektakulär. Dafür, dass sie ab der ersten Spielsekunde als das Größte und Beste, das man in seinem Leben auch außerhalb von Horizon 5 erreichen kann, aufgebauscht wurde, war der "Einzug" sowas von enttäuschend lahm. Mir ist es sogar aus Versehen passiert. Ich wollte nur durch das Haupt-Festival in der Mitte der Karte durchfahren, um ein Rennen nördlich davon anzunehmen. Plötzlich spielt eine kurze Sequenz, in der man mein Auto sieht, eine Stimme sagt sinngemäß "Joa, du bis' jetz' in der Ruhmeshalle, ne." (leider ohne rheinischen Dialekt), und das war's! Bei Mafia 2 musste man sich wenigstens noch einen Anzug anziehen, bevor man in die Familie aufgenommen werden konnte und wurde so darauf vorbereitet. Hier habe ich mich erst gefragt, ob das nicht ein Bug war. Danach streicheln sich noch einmal alle verbal den Popo und sagen, dass sie es ja ohne den jeweils anderen nie so weit gebracht hätten (ging in den ersten vier Teilen aber trotzdem irgendwie), und das Spiel ist ... ähm, nun ja ... durchgespielt. Im Prinzip befindet man sich auf dem Niveau vom Anfang, hat aber mehr Spielzeit im Statistikmenü stehen und sieht auf die Sekunde genau, wie viel Zeit seines Lebens man bis dahin verschwendet hat.

Fazit 2

Von Forza Horizon 6 – so es denn kommt – erwarte ich inzwischen überhaupt nichts mehr. Nicht einmal, dass es Autos enthält. Und wahrscheinlich wird es Playground Games trotzdem gelingen, mich (der sicher kein Geld dafür ausgeben wird) und viele andere Fans zu enttäuschen. Wenn sich nicht schleunigst etwas am Spielprinzip, an der Inszenierung und am (intellektuellen) Anspruch grundlegend ändert, sollte man die Horizon-Reihe besser sterben lassen, solange der Großteil der Spieler sie noch in guter Erinnerung hat. Aus dem einst so glorreichen, realistisch aufgemachten Schnellfahrspaß für den Autofan von 9 bis 99 Jahren ist ein albernes Supercar-Sims für Social-Media-geschädigte Teenies geworden. Oder findet es irgendjemand älter als 14 auch beim fünften Mal noch ultra-cool, wenn ein Auto in Zeitlupe aus einem Flugzeug geworfen wird?

Mit jeder Minute ist mir Forza Horizon 5 mehr auf die Nerven gegangen. Indes habe ich schon eine perfekte Lösung gefunden, das Spielerlebnis zu verbessern: Ich lasse es einfach. Und deshalb war dies hier auch mein letzter Monster-Text zu diesem Thema. Versprochen Big Grin .
[Bild: 50sig4482kek.jpg]
Heckflossen, Petticoats und Rock 'n roll.
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